Laufroboter

Neuartige Technik kann querschnittsgelähmten Patienten helfen, wieder zu gehen

Querschnittsgelähmt - eine häufig brutale Diagnose für die Patienten. Sie können sich nicht mehr selbständig fortbewegen, sind an den Rollstuhl gefesselt und auf die Hilfe anderer angewiesen. Doch seit Mitte September bietet die Paracelsus-Klinik in Adorf einen Hoffnungsschimmer für querschnittsgelähmte Patienten: die revolutionäre Therapie mit dem japanischen Exoskelett-System HAL. Chefarzt Dr. Peter Hügler, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin, erklärt, welche Patienten für die Therapie infrage kommen und wie die Therapie abläuft.

„Die Therapie kommt sowohl für inkomplette Querschnittslähmungen als auch für schwerstgehbehinderte Schlaganfall-Patienten infrage“, erklärt Dr. Peter Hügler. Eine inkomplette Querschnittslähmung bedeutet, dass eine Restfunktion von Nervenimpulsen und Muskeln vorhanden sein muss. „Die Patienten wissen in den meisten Fällen gar nicht, ob noch Nervenimpulse da sind oder nicht. Deswegen sollte man sich auf jeden Fall daraufhin untersuchen lassen“, rät der Chefarzt für Anästhesie und Intensivmedizin und Leiter des Zentrums für Neuromodulation der Paracelsus-Klinik Adorf. Ohne diesen Rest an Nervenimpulsen können die Patienten die Therapie nicht beginnen. Ob diese vorhanden sind, lässt sich in einer Voruntersuchung auf der Hautoberfläche feststellen.

Die neuartige Therapie aus Japan soll gelähmten Menschen helfen, ihre stark beschränkte Gehfähigkeit zu verbessern. In Deutschland wird die Therapie bisher noch nicht an vielen Standorten angeboten. Die Paracelsus-Klinik Adorf ist sachsen- und thüringenweit die einzige Klinik, die das System HAL anbietet. Die Patienten kommen daher aus dem gesamten Bundesgebiet, um sie in Anspruch zu nehmen. HAL (= Hybrid Assistive Limb) bedeutet so viel wie „hybride unterstützende Gliedmaße“. „Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Querschnittslähmungen oder stärksten Gang-Beeinträchtigungen, neu gehen lernen, da die Verbindungen zwischen Muskulatur und Gehirn über die Nervenimpulse trainiert werden“, so Dr. Peter Hügler. Der Roboter nutzt dazu die noch vorhandenen, kleinsten Nervenimpulse, um die am Körper fixierten Elektromotoren computergestützt einzusetzen. „Die Patienten bewegen ihn, nicht er bewegt den Patienten“, erklärt der Anästhesist die Therapie. Genau das unterscheidet ihn von anderen Systemen, die zum Beispiel mit einem Joystick gesteuert werden.

Das Exoskelett wiegt ca. 14 Kilo und besteht aus einem Hüftrahmen, verstellbaren Bewegungsaggregaten für Ober- und Unterschenkel und den Schuhen. Für die Therapie mit diesem Gerät werden Physiotherapeuten extra geschult. Für jeden Patienten müssen die Laufroboter individuell eingestellt werden.

Die Paracelsus-Klinik Adorf verfügt derzeit über ein Laufband für diese Therapie. Das heißt, pro Tag werden maximal fünf Patienten behandelt. Ob die Krankenkassen die aufwändige Therapie übernehmen muss im Einzelfall entschieden werden, da es erhebliche Unterschiede bei den Krankenkassen dazu gibt. „Viele der Patienten nehmen aber auch einen Kredit auf, um ein wenig von ihrer Lebensqualität zurückzugewinnen“ so Hügler. Die Therapie erfolgt ambulant und dauert in der Regel drei Monate.

„Die Resultate der Therapie fallen von Patient zu Patient unterschiedlich aus“, erklärt Dr. Peter Hügler. In einer Videodokumentation werden die Fortschritte der Patienten regelmäßig festgehalten. Sie müssen auf verschiedenen Teststrecken möglichst gerade entlanglaufen, zum Vergleich wird dabei die Zeit gestoppt und die Schritte gezählt. Ziele der Therapie sind die Anregung von Hirnarealen und der erneute Aufbau von Muskeln. Dadurch sollen die Patienten in einem gewissen Umfang wieder laufen können (zum Beispiel an Gehhilfen oder mit einem Rollator) und so einen Teil ihrer Selbstständigkeit zurückgewinnen. Nach 60 Trainingseinheiten mit dem Roboter ist es für manche Patienten bereits möglich, an zwei Gehstützen zu laufen. Zusätzlich lassen durch das Training mit dem Exoskelett die Schmerzen der Patienten weiter nach.

Patienten können derzeit über die Sprechstunde einen Termin bekommen.

Kontakt:

Paracelsus-Klinik
Adorf Sorger Straße 51
 08626 Adorf
 T 037423 79-0
 M adorf@paracelsus-kliniken.de

Letzte Kommentare

    Paracelsus-Kliniken sagte am 01.11.2016 um 09:04
    Sehr geehrte Frau Glaab, dazu gibt es derzeit...

    Glaab Angelika sagte am 31.10.2016 um 10:42
    Guten Tag, ich habe eine Frage, ich habe eine...

    Paracelsus-Kliniken sagte am 26.4.2016 um 09:14
    Sehr geehrter Herr Herrmann, um Ihre Eignung...

    dietmar herrmann sagte am 14.4.2016 um 18:47
    hatte 08/13 schlaganfall.halbseitig gelähmt....

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Unsere Experten

Dr. Peter Hügler

Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin an der Paracelsus-Klinik Adorf

Leiter des Zentrum für Neuromodulation